10 Fragen an: Womo-Globetrotter und Reiseautoren Ramona und Uli

Ramona und Uli sind über ein Jahr lang mit dem Wohnmobil durch Europa gereist. Ihre Erfahrungen haben sie in ihrem Blog festgehalten und unterwegs haben sie ein Buch geschrieben: »Auszeit Storys – 11 Geschichten über den Aufbruch zu einer längeren Reise«. Anschließend gründeten sie den Wenn Nicht Jetzt-Verlag – rund um das Thema Reisen, Veränderung und das Gute Leben. Aktuell schreiben sie an ihrem nächsten Buch, der »WoMo-Fibel«.
Wir haben den beiden Globetrottern 10 Fragen gestellt.

1. Gab es einen bestimmten Moment an dem euch klar wurde: Ihr müsst raus in die Welt, denn »wenn nicht jetzt …«?

Wir hatten damals beide unsere Beziehungen beendet und unsere Jobs gekündigt und bauten eine Selbständigkeit auf. In dieser Situation trafen wir, nachdem wir länger keinen Kontakt mehr gehabt hatten, zufällig aufeinander und stellten fest, dass wir von derselben Sache träumten, nämlich mit einem Camper Europa zu bereisen. Die Zeiger standen für uns beide ganz klar auf »Neuanfang« und so nahmen die Dinge ihren Lauf, und knapp drei Monate später hatten wir unsere Wohnungen aufgelöst, Möbel und Autos verkauft und sind in einem gebrauchten Wohnmobil gemeinsam in dieses Abenteuer aufgebrochen – als Freunde.

2. An welchen weniger bekannten Ort in Europa lohnt sich ein Trip mit dem Womo besonders?

Das Baltikum. Ganz besonders Estland hat es uns sehr angetan! Wunderschöne Wälder mit einer perfekten Infrastruktur für Camper. Und von allen Städten, die wir auf der Reise besucht haben, hat uns Tallinn am allerbesten gefallen. Eine sehr junge, pulsierende Stadt, in der sich viel entwickelt und im Entstehen ist. Wirklich spannend und sehr sympathisch!

3. Was ist die interessanteste Bekanntschaft, die Ihr unterwegs gemacht habt?

Ein paar unvergessliche Tage hatten wir an einem Strand im Westen Siziliens, wo wir zufällig ein paar unterschiedliche Reisegespanne kennenlernten und mit ihnen einige spannende Lagerfeuerabende verbrachten. Da waren Christian und Lissy, die mit drei Hunden und einem selbstausgebauten, bunten Bus reisten. Er lebt auf einem Mehrgenerationenhof, der fast vollkommen autark funktioniert, und sie war zuvor mit einer Zirkustruppe auf dem Fahrrad nach Syrien gefahren, um die Menschen in einem Flüchtlingscamp mit Musik und Kunststücken ein wenig von ihrem Leid abzulenken.
Und da waren Gerd und Samira – ein Vater-Tochter-Gespann – die ebenfalls mit zwei Hunden und mit sehr viel Wassersportausrüstung unterwegs waren. Er hat ein sehr bewegtes Leben geführt, aus dem er unglaubliche Geschichten zu erzählen weiß und sie hat die Zeit des Studiums genutzt, sich eine Auszeit zu nehmen und mit ihrem Vater ein Jahr zu reisen. – Unterschiedlicher hätten wir alle kaum sein können und doch waren es dieselben Themen, die uns umtrieben und wir hatten viel mehr gemeinsam, als wir dachten.

4. Seid Ihr in eine brenzlige Situation geraten?

Unser Wohnmobil ist ein klassischer weißer Riese mit Alkoven. Die haben gewöhnlich wenig PS und keinen Allradantrieb. Da wir aber trotzdem an möglichst besondere, entlegene Orte wollten, haben wir uns das ein oder andere Mal selbst in eine missliche Lage gebracht. Einmal mussten wir aus einem Nationalpark auf Sizilien mit einem Traktor gerettet werden, weil wir die steile Schotterstraße, die aus dem Park rausführte, nicht aus eigener Kraft wieder hochkamen …

5. Ihr wart über ein Jahr unterwegs. Welche Tricks gibt es, damit einem die Wohnmobildecke nicht auf den Kopf fällt?

Netflix. Ladet euch sobald ihr in einem WLAN seid ein paar Folgen euer Lieblingsserie oder einen herrlichen Klassiker runter, macht Popcorn dazu und kuschelt euch ein – so wird auch der dritte Regentag in Folge ein gemütlicher Feiertag.

6. Habt Ihr unterwegs gearbeitet?

Ramona ist Lektorin und bietet außerdem ein Rundum-Sorglos-Paket für Self-Publisher (www.silbentaucher.de) an. Hierfür benötigt sie lediglich einen Laptop und Internet – dann geht das problemlos von überall auf der Welt aus. Gemeinsam haben wir dann ja auch unser erstes Buch geschrieben und veröffentlicht, und später unseren Verlag gegründet. All das funktionierte prima von unterwegs aus.

7. Was sind 3 unverzichtbare Reiseutensilien?

Panzertape, gute Musik und Aloe Vera.

8. Euer Buch »Auszeit Storys« ist ziemlich eingeschlagen. Worum geht es?

Wir wurden vor und zu Beginn unserer Reise sehr häufig gefragt, wie man denn sowas tatsächlich machen kann – ein Jahr einfach so auf Reisen gehen. Viele sagten, wir würden ihren Traum leben, aber sie könnten so etwas ja niemals machen, weil sie einen Job / Kinder / ein Haus / pflegebedürftige Eltern / nicht genug Erspartes usw. hätten. Wir haben unterwegs aber so viele Langzeitreisende wie uns kennengelernt, die diese oder andere Verantwortungen oder Hindernisse ebenfalls hatten und es trotzdem geschafft haben, sich ihren Traum zu erfüllen. Mit »Auszeit Storys« wollen wir zeigen, dass so etwas aus den unterschiedlichsten Situationen heraus möglich und organisierbar ist. In elf sehr persönlichen Geschichten erzählen Reisende, wie sie all diese Hindernisse aus dem Weg geräumt haben und warum sie sich jederzeit wieder dafür entscheiden würden.

9. Was können wir uns von eurem nächsten Buch, der »WoMo-Fibel« erwarten?

Die »WoMo-Fibel« ist ein sehr ausführlicher Ratgeber für Wohnmobilreisende. – Sozusagen das ultimative Handbuch. Wir haben hier unser gesamtes Wissen und unsere Erfahrungen aus einem Jahr Leben im Wohnmobil (und natürlich auch das Wissen anderer) einfließen lassen und beantworten Fragen wie: Wie funktioniert das mit dem Internet auf Reisen?, Wie kann ich möglichst lange autark freistehen?, Was muss ich beim Reisen mit Hund in Europa beachten? uvm. Wir haben uns zu Beginn der Reise mühsam alle Infos zusammensuchen müssen und hätten uns so einen umfassenden Ratgeber damals gewünscht.

10. An welchen Ort wollt Ihr noch unbedingt reisen?

Wir möchten wahnsinnig gerne noch eine Tour mit dem Wohnmobil durch England, Irland und Schottland machen!